Dienstag, 31. Mai 2011

Zu spät

Zweifel nagen seit Tagen an mir,
hab‘ ich versäumt, zu helfen Dir?
Habe ich Zeichen übersehen?
Warum nur, warum wolltest Du gehen?

Es schien alles klar und harmlos zu sein.
Du warst etwas still, doch Du wolltest so sein.
Niemand konnte Dich wirklich durchschauen,
jeder musste dem Anschein vertrauen.

Ja, wir wussten, sie fehlte Dir sehr,
doch ihr Tod war doch schon lange her,
da zählt doch die Zukunft, da macht man doch weiter!
Wir irrten uns alle, Du wirktest nur heiter.

Eines Nachts, da kam dann die Zeit,
Du wolltest nicht mehr, warst zu sterben bereit.
Hast Dich zum letzten Schlafen begeben,
was bleibt sind wir, die nun ohne Dich leben.

Es war Deine eigene Sache zu gehen,
auch wenn wir anderen das nicht verstehen
und dennoch nagt weiter Zweifel an mir:
Hab‘ ich versäumt, zu helfen Dir?

Für MK.

Kommentare:

  1. Diese Gedanken beschäftigen auch mich. Nicht selbstzerstörerisch, und heftig Schuldbeladen, aber dennoch sind die Fragen auch in mir. Hätte ich ihm sagen sollen, wie sehr ich mich über seine Anwesenheit freue? Mal ne PN mehr?

    Aber wenn dieser Entschluss fällt, dann fällt er. Leider!!!!

    Trotzdem treffend.

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  2. Liebe Sigrid,

    schönes Gedicht, gefällt mir gut.

    Jemand der sich zum Suizid im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte entschließt, ist m. M. nach in der Regel nicht mehr davon abzubringen. Vor allem dann, wenn noch eine schwere Depression mit ins Spiel kommt.

    Bei den Hinterbliebenen bleibt immer ein Zweifel ob man doch nicht etwa die Ernsthaftigkeit des Vorhabens unterschätzt hat. Dann hätte man den Freitod vielleicht noch verhindern können. Verständlich, wenn man so denkt, aber das bringt nichts. Er hätte es ja dennoch wieder versuchen können, trotz aller Bemühungen.

    LG

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